Verfahrensablauf bei der Zertifizierung von Erzeugungseinheiten

Erzeugungseinheiten

*Die FGH Zertifizierungsstelle ist gemäß DIN EN ISO/IEC 17065 für die Zertifizierung von Komponenten, Produkten und Erzeugungsanlagen unter der Akkreditierungsnummer D-ZE-20089-01-00 akkreditiert. 

Warum gibt es die Einheitenzertifizierung?

Die fortschreitende Integration erneuerbarer Energien und weiterer dezentraler Erzeuger in das Elektrizitätsversorgungssystem stellt Netzbetreiber, Hersteller, Anlagenbetreiber und Projektierer vor neue Herausforderungen. Die Stromversorgung befindet sich im Wandel, weg von wenigen konventionellen Kraftwerken, hin zu einer Vielzahl dezentraler Einspeiser. Mit diesem Systemwandel ergeben sich neue Anforderungen an dezentrale Erzeugungsanlagen, um die Versorgungssicherheit und Zuverlässigkeit der elektrischen Netze weiterhin zu gewährleisten.
Um die Netzstabilität zu erhalten, gelten in Deutschland daher für Erzeugungseinheiten und Erzeugungsanlagen besondere Anforderungen an die elektrischen Eigenschaften, die bereits in der Planungsphase berücksichtigt werden müssen. Als Grundlage zur Planung und Berechnung der Anlage dienen daher Einheitenzertifikate der jeweiligen Erzeugungseinheiten, die zusammengeschaltet als Einheitenverbund eine Erzeugungsanlage darstellen. 

Geprüft wird im Zertifikat, ob die elektrischen Eigenschaften der Erzeugungseinheit die Anforderungen in den Bereichen

  • Wirkleistungsabgabe einschließlich Erzeugungsmanagement,
  • Netzrückwirkungen,
  • Verhalten der Erzeugungsanlage bei Netz- oder Systemfehlern,
  • Blindleistungsbereitstellung
  • Einheitenbezogene Schutzeinrichtungen
  • Wiederzuschaltbedingungen
  • Einheitenmodell

erfüllt. Voraussetzung dazu sind Typprüfungen, die durch eine nach DIN EN ISO/IEC 17025 akkreditierte Prüfstelle durchgeführt werden. Die Validierung des vom Hersteller bereitgestellten Simulationsmodells wird FGH-intern durchgeführt. Somit kann im nächsten Schritt der Anlagenbetreiber die notwendigen Planungen basierend auf verlässlichen Daten durchführen.

Allgemein gilt als Anforderung für Erzeugungseinheiten am Mittelspannungsnetz die BDEW Mittelspannungsrichtlinie 2008 (BDEW MSRL 2008) mit ihrer aktuellen Ergänzung, auf der Hoch− und Höchstspannungsebene der Transmission Code 2007 (TC 2007) bzw. ab 2017 die TAB Hochspannung (VDE−AR−N−4120). 
Als Besonderheit ist für den Bereich Windenergieerzeugung die Nachweispflicht gesetzlich in der „Verordnung zu Systemdienstleistungen durch Windenergieanlagen“ (SDLWindV) in Verbindung mit dem Erneuerbare−Energien−Gesetz begründet und damit eine wichtige Voraussetzung für den Erhalt der Einspeisevergütung. Die zu erfüllenden Anforderungen ergeben sich gemäß SDLWindV aus den zuvor erwähnten Richtlinien der Verbände. Die dort formulierten technischen Anforderungen sind jeweils zum Zeitpunkt der Inbetriebnahme des Windparks zu erfüllen.

Die FGH gestaltet die Richtlinienentwicklung aktiv mit und ist daher der ideale Ansprechpartner für die Durchführung von Einheitenzertifizierungen gemäß den aktuell gültigen Anforderungen. Wir behalten für Sie den Überblick, prüfen die Richtlinienkonformität Ihrer Erzeugungseinheit und stellen Ihnen im Falle einer positiven Konformitätsbewertung das Einheitenzertifikat aus. Damit stellt das Einheitenzertifikat auch einen unabhängigen Qualitätsnachweis für den Hersteller und die Kundschaft dar.

Wie läuft eine Zertifizierung ab?

Der Kunde stellt einen Antrag auf Zertifizierung. Dieser Antrag wird durch die Zertifizierungsstelle gesichtet. Wenn die Voraussetzungen für eine Zertifizierung erfüllt sind, wird entsprechend der zugrunde zu legenden Richtlinien ein Angebot erstellt. Im Falle der Annahme des Angebotes durch den Kunden beginnt der Prozess zur Zertifikatserstellung:

  1. Eingang der notwendigen Dokumente
    Siehe unten: Benötigte Dokumente
  2. Analyse der eingegangenen Informationen
    Prüfung auf Vollständigkeit, formale Fehler und Präzision der Aussagen
    (2a. Bei Mängeln: Rücksprache mit Hersteller)
  3. Validierung des Einheitenmodells
    Abgleich der Fault-Ride-Through-Versuche aus den Prüfberichten mit äquivalent simulierten Versuchen und Analyse der Abweichungen
  4. Erstellung eines Zertifikatsentwurf
    Zusammentragen der Daten und Resultate in Dokumentform
  5. Technischer Bericht & Konformitätsbewertung
    Analyse und Bewertung der Ergebnisse von einem Experten der Zertifizierungsstelle
  6. Entscheidung der Leitung
    Finale Zertifikatsentscheidung auf Ausstellung und etwaige Einschränkungen
  7. Zertifikatsausstellung
    Postalischer und elektronischer Versand des Zertifikats

Benötigte Dokumente

Zur Zertifikatserstellung werden folgende Dokumente benötigt:

  • Herstellererklärung(en) mit detaillierten Informationen zur Erzeugungseinheit
  • Prüfbericht(e) zu den erforderlichen Typprüfungen
  • Urkunde zur Akkreditierung des Prüflabors nach DIN EN ISO/IEC 17025
  • Einheitenmodell
  • Modelldokumentation
  • Nachweis über den Unterhalt eines Qualitätsmanagement-Systems

Was ist eine Modellvalidierung?

Der Hersteller reicht für die Zertifizierung ein Simulationsmodell ein, das das Verhalten der Einheit im Netzfehlerfall abbilden kann. Dabei werden mindestens Spannungseinbrüche (LVRT) betrachtet. Je nach Richtlinienberücksichtigung sind auch Überspannungsfälle (OVRT) Teil der Simulation.
Diese Fehlerfälle wurden zuvor ebenfalls real an der Einheit eingeprägt und das Verhalten in entsprechenden einzureichenden Prüfberichten dokumentiert.

Somit erhält man zu jedem Fehlerfall einerseits den Versuchsverlauf aus der Simulation und anderseits den Verlauf aus dem realen Feldversuch.
Diese beiden Verläufe werden übereinander gelegt und auf Abweichungen hinsichtlich der Spannungen, des Wirk- und Blindstroms sowie der Wirk- und Blindleistungen untersucht. Kritisch dabei sind Abweichungen außerhalb der in den Richtlinien definierten Toleranzen.